Mit Schilf heizen
Mist, Gras und Silomais klingen verhältnismäßig unspektakulär, wenn man liest, was im baden-württembergischen Dorf Kaltbrunn demnächst zum Heizen verwendet wird: Schilf. Ja richtig, das, was beispielsweise so viel an Seeufern wächst.
Das Dorf liegt in der Nähe von Naturschutzgebieten, in denen zwecks Landschaftspflege regelmäßig Schilf geschnitten wird. Früher hat man das Schilf ungenutzt entfernt, nun will man dazu übergehen, es sinnvoll zu verwerten.
Wärmebedarf von annähernd 900 Menschen kann gedeckt werden
Für das 900 Seelen Dorf Kaltbrunn reicht das gerodete Schilf vollkommen zur Deckung des Heizbedarfs aus. Ab Herbst 2009 soll es soweit sein. Nachdem die Idee, Schilf für Heizzwecke zu verwenden geboren wurde, musste erstmal getestet werden, inwieweit das sinnvoll ist. Dabei kam heraus, dass Schilf einen fast so hohen Brennwert wie Holz hat. Und die Technik zum Verheizen des Schilfts muss nicht erfunden werden.
In Dämemark gibt es seit ungefähr zwanzig Jahren ein Verfahren zum Verfeuern von Stroh, das auf Schilf übertragen werden kann. Bei dem Kaltbrunner Schilfheizkraftwerk kommt dann noch ein Feinstaubfilter hinzu. Die Bürger des Dorfes waren schnell überzeugt, bald darauf wurde eine Bürgerinitiative (Energie und Landschaftspflege Bodensee) gegründet. Die Bewohner von 100 Häusern in dem 160 Häuser zählenden Dorf wollen bei der Aktion mitmachen.
In dem Miniheizkraftwerk wird das Wassser erhitzt und über eine 3,8 km lange Ringleitung in die Häuser geleitet. Für den 3.000 € teuren Anschluss müssen die Bewohner selbst aufkommen. Der Staat unterstützt mit 1.800 €. Das Kraftwerk wird wohl mit 1,9 Millionen Euro zu Buche schlagen, wie die Bürgerinitiative errechnet hat.
Die Kilowattstunde Schilf ist billiger als Öl
Die Kilowattstunde Schilfwärme wird die Bürger dann 11 Cent kosten. Momentan müssen sie noch drei Cent mehr für ihre Ölheizungen zahlen. Im Gegensatz zu Mais wird bei der Verfeuerung von Schilf kein potentielles Lebensmittel vernichtet, gleichzeitig wird Landschaftpflege betrieben statt einfach nur ein Feld abgeerntet.
Pro Jahr werden durch den Einsatz des Schilfheizkraftwerks 250.000 Liter Heizöl eingespart. Die Landesregierung von Baden-Württemberg hat Schilflieferungen für 15 Jahre zugesagt. Auf 15% soll der Anteil regenerativer Energien im Primärenergieverbrauch steigen. Dieses Ziel will man bis 2020 erreicht haben.