Renaissance der Kohle
Sobald im Nahen Osten eine Krise auszubrechen droht, steigen die Ölpreise. Und Russlands Gängelung der Ukraine im Gasstreit zeigte gleichfalls, dass man sich in Energiefragen nicht von anderen abhängig machen sollte. Wenn dann noch aufstrebende Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien die Nachfrage nach dem schwarzen Gold in die Höhe schnellen lassen, sollte ein Industriestaat darüber nachdenken, wie er sich in Zukunft verhältnismäßig preisgünstig Energie sichern kann.
Im Gegensatz zu Öl und Gas ist Kohle recht gleichmäßig auf dem Erdball verteilt. Hierin besteht eine Möglichkeit, sich vom Öl zu emanzipieren. Zurzeit werden etwa 38% des Stroms mit Hilfe von Kohle produziert. Die USA decken ihren Strombedarf zur Hälfte mit Kohle, China zu 70%. Wegen der höhren Ausbeute und dem geringeren CO2-Ausstoß setzte man in Europa bis vor kurzem auf Kohle.
Dies dürfte sich mittlerweile jedoch wegen der gestiegenen Gaspreise geändert haben. Kohle scheint wieder hoffähig geworden zu sein. Dies zeigt z.B. auch der geplante Bau des Kohlekraftwerks im Hamburger Stadtteil Moorburg.
Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken konnte gesteigert werden
Da es inzwischen gelungen ist, den Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken zu steigern, sind sie erheblich sauberer als früher. Der Energiekonzern Vattenfall will in Brandenburg ein CO2-freies Braunkohlekraftwerk errichten. Bei der Verbrennung von Kohle soll ein höherer Sauerstoffgehalt dazu beitragen, dass weniger Kohlenstoffdioxid freigesetzt wird.
Anschließend wird das schädliche Gas unterirdisch eingelagert. Momentan werden Versuche durchgeführt, daß gespeicherte CO2 mit Wasser und gebranntem Kalk in künstlichen Kalkstein umzuwandeln. Wasserstoff soll dabei auch noch entstehen. Von den geförderten Kohlemengen gelangen nur 16% in den internationalen Handel, der Löwenanteil verbleibt im Land, welches die Kohle hervorgeholt hat.
Australien ist bei weitem der größte Ausführer von Kohle. Russland, Indonesien, Südafrika und Kolumbien folgen der Reihe nach. Ähnlich wie bei Öl und Gas ist der Kohlemarkt nur in den Händen weniger Unternehmen. Die wiederentdeckte Liebe zur Kohle fördert den Export der begehrten deutschen Kohlefördertechnik.
In Deutschland kommt die eigene Technik kaum zum Einsatz, weil die Förderung zu teuer ist. 1997 begann der Ausstieg aus der heimischen Kohleförderung. Seitdem wurden die Subventionen von 5 auf 2,9 Milliarden Euro im Jahr zusammen gestrichen.